Kapitalisten

Das Kind ist jetzt fast sieben Wochen alt, was bedeutet, dass mein offizieller Mutterschaftsurlaub vorbei ist. Ich war gestern das erste mal wieder auf Arbeit.

Mit Kind natürlich! Wer behauptet, ein sechs Wochen altes Kind kann schon ohne die Mutter auskommen, der spinnt. Für die bemitleidenswerten Familien, die auf das Gehalt beider Eltern angewiesen oder die alleinerziehende Mutti muss es gehen, aber gut kann es nicht sein.

Der kleine Ami trinkt tagsüber alle ein bis vier Stunden, je nach Laune. Wie soll man das mit abgepumpter Milch planen? Also bleibt nur die Säuglingsnahrung, mit allen Nachteilen. Auch lässt er sich manchmal nur von mir beruhigen und bei der Vorstellung, er weint irgendwo bei fremden Leuten, schlagen alle meine Mutterinstinkte Alarm.

Ich hab gelesen, dass nur knapp 30% aller amerikanischen Mütter nach dem ersten Monat noch stillen. Die Studie hat dann auch berechnet, wieviel Geld das im Nachhinein kostet (weil Flaschenkinder im Durchschnitt eben öfter krank sind, unter Allergien und Asthma leiden, ect.). Aber wer kann es den Müttern verübeln, wenn sie im zweiten Monat schon wieder an der Kasse sitzen müssen. Sechs Wochen unbezahlter Mutterschutz ist eine Schande für eine Industrienation. Und unmenschlich ist es meiner Meinung nach auch. Für alle, auch den Vater.

Es gibt Arbeitgeber, die sehr großzügig sind (freiwillig). Aber das sind meist auch die, die gut ausgebildete Leute beschäftigen und entsprechend bezahlen. Der Einzelhandel und die großen Ketten gehören nicht dazu und deren Angestellten sind es, die sich keinen Verdienstausfall leisten können. Und nach sechs Wochen eben wieder arbeiten. Grausam.

So, genug genörgelt. Positiv ist nämlich, das meine Chefin kein Problem damit hat, wenn ich länger Zuhause bleibe. 🙂

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14 Antworten zu Kapitalisten

  1. tonari schreibt:

    Für mich auch unvorstellbar. Ohne die DDR aus Gründen zu sehr loben zu wollen, aber so ein bezahltes Babyjahr hatte schon was für sich.
    Toll, dass Deine Chefin ein Einsehen hat. Sie hält Dir den Arbeitsplatz noch offen?

    • Ja, die DDR hat auch einiges richtig gemacht. Ich bin froh, dass es sie nicht mehr gibt, keine Frage, aber was Vereinbarkeit von Familie und Beruf anging war der Staat vorbildlich.

      Ich bin ja an einer Universität beschäftigt, da ist man ja flexibler als anderswo. Das heißt, meinen Job nimmt mir keiner weg, ich bleibe, solange das Geld reicht. Ich arbeite erstmal nur halbtags, daher reicht es auch für eine Weile.

    • Karen schreibt:

      Das Babyjahr in der DDR gab es aber auch erst ab 1977 oder so. Der Ähämann ging auch mit sechs Wochen in die Krippe.

      (Zieht sich mir das Herz zusammen, schon bei der Vorstellung…)

      • tonari schreibt:

        Ich glaube, es wurde für das erste Kind erst 1986 eingeführt. War so ein Parteitagsbeschluss.
        Kurz danach wurde ich zufällig schwanger (also nicht z u f ä l l i g, sondern der Zufall wollte diesen Zeitpunkt…). Eine Kollegin auch. Und schon mutmaßten alle unseren älteren Kollegen, dass es ein Ergebnis der bezahlten Freistellung für ein Jahr sei.

        • Naja, aber auch ohne Babyjahr konnte doch die Mutter zuhause bleiben und war trotzdem krankenversichert und lief nicht Gefahr, obdachlos zu Erden, oder?

          Außerdem waren Kindergarten und Kinderkrippe bezahlbar, mit ausreichend Personal und doch meist guter Betreuung (mein Kindergarten war so).

          Keine Ahnung, ich bin 1980 geboren. Muss mal meine Mutti fragen, wann sie wieder arbeiten ging. Jedenfalls nicht nach 6 Wochen.

  2. Lydia schreibt:

    Ewig kann ich es mir ja auch nicht vorstellen, aber ein paar Monate Arbeitspause und Babygenusszeit sind schon toll! Klar sind wir da hier privilegiert mit Elterngeld und Co. Ich möchte das nicht missen und ja – es hat unsere Entscheidung für ein weiteres Kind klar positiv beeinflusst. Nach 6 Wochen ist – so empfinde ich das gerade – auch die Mutter noch lange nicht wieder völlig hergestellt. Das ist wirklich eine Schande, wenn frau gezwungen ist, dann schon wieder arbeiten zu gehen!
    Wie lange bleibst du daheim? Und ach ja: UNBEZAHLT????! Krass!

    • nickel schreibt:

      Ich find das auch krass. Wirklich sehr, sehr peinlich für ein solches Land, das sonst stolz seinen Reichtum zeigt (und für Krieg ja immer genug Geld hat…)

    • Unbezahlt 😉 6 Wochen muss der Arbeitgeber den Arbeitsplatz garantieren, Bezahlung gibt es keine. Und beruhigt es dich, wenn ich sage, dass es nach Kaiserschnitt 8 Wochen gibt?

      Ich bleibe bis August daheim (muss aber ein paar Stunden an Tag arbeiten, um Daten für eine Konferenz im Juli zu haben).

      • Lydia schreibt:

        Und trotzdem haben die USA seltsamerweise nicht dieses „Hier bekommt niemand Kinder, woran könnte es nur liegen!?“-Problem wie wir Deutschen. Seltsam!

        • Ja, das stimmt. Keine Ahnung, woran es liegt. Ich weiss nur, dass die traditionelle Rollenverteilung noch weiter verbreitet ist als in Deutschland. Und gerade diese Familien haben oft drei und mehr Kinder. Dasselbe gilt für viele Einwanderfamilien, wo ganze Generationen unter einem Dach leben. In den gebildeten Schichten herrscht generell Kindermangel wie in Deutschland auch. Ich kenne mich aber zuwenig aus, um da hilfreiche Antworten zu geben. Evtl. sind wir Deutschen wirklich zu verwöhnt und ein Land der Nörgler und Meckerer.

  3. Inch schreibt:

    Also, dass BabyJAHR wurde 1986 eingeführt. Davor gabs nur ein halbes. Ich weiß das, weil das Große Kind 1985 geboren wurde, ich sie nicht mit 6 Monaten in die Krippe geben wollte und anfing zu nähen und die Klamotten auf Flohmärkten zu verkaufen (wobei ich, nebenbei bemerkt, besser verdiente, als im Job). Wann das halbe Jahr eingeführt wurde, weiß ich nicht. Ich hätte nach 6 Wochen in die Krippe gemusst, wurde aber bei einer Tante geparkt. Mein Bruder kam auch mit 6 Wochen in die Krippe. Sicher ist, dass das alles kostenlos war. Nur, ich glaube, ab Kindergarten, musste man das Mittagessen bezahlen (?).
    Jedenfalls finde ich auch, dass eine Mutter bis zum ersten Lebensjahr des Kindes bezahlt zu Hause bleiben dürfen soll. Das sollten reiche Nationen stämmen können.

    • Inch schreibt:

      stEmmen natürlich, stemmen

    • Hab meine Mutti mal gefragt und sie meinte, 1980, als ich geboren wurde, gab es ein Jahr unbezahlt. Sie meinte, sie hätten damals vorher gespart, um dann ausreichend Geld zu haben. Und es gab ha auch noch das Begrüßungsgeld. Beim zweiten Kind 1983 gab es bezahlten Mutterschutz.

      Jedenfalls wird das nächste Kind in einem Sozialstaat geboren. Wenn wir es einrichten können.

      • Inch schreibt:

        Ah ja, unbezahlt hätte ich auch 1985 zu Hause bleiben können. 3 Jahre glaube ich. Aber unbezahlt ist blöd.
        Ich glaube, in Skandinavien siehts ganz gut aus, wenn Ihr es einrichten könnt 😉

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