Schubladendenken

Der HA hat ’ne Pionierblase. Was dieser Mensch an Zeit auf dem Klo verbringt, kann getrost als Lebenszeitverschwendung bezeichnet werden. So hatte ich bei der Ankunft in Paris genügend Zeit und Muße, mich in der Einflugschneise zur Grenzkontrolle zu positionieren und rate die Nationalität zu spielen. Eigentlich ganz einfach: (Vorsicht, Klischee) Amerikaner sind laut und bevorzugen Sneakers und Jogginhosen, Deutsche multifunktionale Kleidung (meist vom Outdoorausstatter) und Franzosen sehen auch nach 8 Stunden Flug aus, als könnten sie auf eine Vernissage gehen (Ausnahmen bestätigen die Regel!).
Durch meine günstige Stellung gab es auch bei unklaren Fällen sofortige Aufklärung: Europäische Staatsbürger links, Nicht-Europäer rechts und alle hatten ihre Pässe in der Hand. Eine nette junge Dame vom Flughafen stand auch noch bereit, um den Leuten den Weg zu weisen. Sie spielte offensichtlich das gleiche Spiel wie ich und fragte die Ankömmlinge entweder „International Passport?“ oder „European Passport?“, je nachdem wie sie sie einschätze. Soweit ich sehen konnte, hatte sie das Nationalitätenraten recht gut drauf, ihre Fehlerquote war erstaunlich gering. Als sie allerdings eine sehr korpulente Dame im Samt-Jogginganzug mit weißen Laufschuhen ohne weitere Nachfrage in die Internationale Schlange einwies, musste ich mir dann doch das Lachen verkneifen.

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8 Antworten zu Schubladendenken

  1. iTanni schreibt:

    das Spiel kenn ich !!! voll Lustig. Aber manchmal ist man einfach ratlos. jo samt Jogging… laufschuhe…. *kicher* mittlerweile bin ich amerikanisiert. Nix mehr mit multifunktional oder ist mein Hoodie überm T-Shirt schon multi funktional?? hmmm. Männer verbringen mehr zeit aufm Pott als Frau vorm Spiegel. !

  2. Wild Flower schreibt:

    Ich hatte mal einen Studentenjob in einer Unibuchhandlung. Das Spiel geht auch mit Studienrichtungen. Nach ein paar Wochen konnte ich den Kunden ihr Fach schon zuordnen, wenn sie durch die Tür kamen:
    Anglistik (i.d.R. weiblich, schlicht gekleidet, wenig Schickschnack)
    Romanistik (i.d.R. weiblich, verspielter gekleidet, Neigung zu Pagenschnitt und bunten Halstüchern)
    Theologie (altmodische Frisuren und Brillen, etwas steif im Umgang)
    Jura (teure Klamotten, oft überheblich)
    Wirtschaft (nirgendwo sonst habe ich so viele rosa Poloshirts an Männern gesehen, ebenfalls extrem beliebt: sonstiger Lacoste-Kram)
    Mathe (i.d.R. männlich, Karohemden, Lederschuhe)
    Physik (auch Karohemden, wirken aber irgendwie anders als Mathestudenten)
    Chemie (ebenfalls hoher Männeranteil, aber mehr T-Shirtträger als bei Mathe und Physik und irgendwie etwas weniger „square“)
    Geographie (i.d.R. Outdoorkleidung von Kopf bis Fuß, gern mit Wandersandalen)
    Medizin (sehr organisiert, zielgerichtet und aufgeräumt, auch im Erscheinungsbild)

  3. Silberdistel schreibt:

    Ein Spiel, das immer wieder Spaß macht 😀

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