Kunden aus der Hölle

„Mein“ Supermarkt hat sich die Kundenzufriedenheit auf die Fahnen geschrieben. Im ohnehin schon kundenfreundlichen Amerika heißt das, man reißt sich den Ar… für den customer auf, egal wie bescheuert das Anliegen auch sein mag.

Letztens hatte ich Gelegenheit, das Ganze auch mal persönlich zu testen. Ich hatte Appetit auf einen Klassiker der deutschen Küche: Rouladen. Da diese hier eher unbekannt sind, war mir klar, dass ich das Fleisch nicht einfach so abgepackt finden werde. Sorgfältig, wie man das als Deutscher so macht, hatte ich mich daher auf den Einkauf vorbereitet: englische Übersetzung nachgeschlagen (roulade :roll:), geschaut, wo am Tier das Fleischstück sitzt (Hinterbacke), wie man das nennt (Oberschale) und auch das in Englisch notiert (top round).

Am Fleischstand angekommen, nochmal das Schild gelesen (Don’t like what you see? Our butcher will prepare anything for you.).

Alles klar, ich hätte gerne Rindfleisch aus der Oberschale, dünn geschnitten.

OK, er zeigt mir, wo es liegt (Bin ich blind? Ich hab extra vorher geschaut.). Am Kühlregal angekommen sehe, ich: diese Dinger sind vielleicht dünne Mini-Steaks, aber keine Rouladen. Nächster Anlauf, ich zeige ihm ein Stück Oberschale und erkläre, ich möchte gerne dieses Stück, in dünnen Scheiben.

Geht nicht! ❓

Warum?

Er hat keine Maschine, er schneidet mit der Hand.

Falls das jetzt unfreundlich klingt, genauso war es. Sehr unfreundlich, der Herr Fleischer :evil:. Er hat noch gefragt, was ich denn damit will, konnte aber offensichtlich mit dem Begriff Roulade nicht so richtig was anfangen.

OK, dann muss ich halt kreativ werden. Die Delikatessentheke hat Schneidemaschinen, zwar für Käse und Wurst, aber das ist ja erstmal egal. Also, das dicke Oberschalenstück geschnappt und los ging’s. Die Bedienung dort war auch etwas aufgeschlossener (trotz dass sie Rouladen auch nicht kannte), wollte aber erst den Manager fragen (klar, rohes Fleisch schneiden heißt, hinterher das ganze Ding säubern). Der kam, war im ersten Moment etwas hilflos (Was wollen Sie denn damit machen? Rouladen. Ah?! Längs- oder quer geschnitten? Quer. Ah?!), gab dann aber sein OK.

Nach gefühlten 2 Stunden hatte ich dann endlich mein Rouladenfleisch. Geschmeckt haben sie auch, ich hab die Füllung etwas (OK, ziemlich) abgewandelt.

Roulade mit Frischkäse-Kräuterfüllung! Lecker 😛

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9 Antworten zu Kunden aus der Hölle

  1. Inch schreibt:

    😀 Eine so hart erarbeitet Roulade MUSS einfach schmecken!!! 😀
    Den Jammer mit den Zutaten für Deutsche Gerichte kenne ich aus dem Urlaub, wenn ich für meine Gastgeber zB Hefeklöße in Finnland, Quark mit Kartoffeln in Italien oder Quarkkeulchen oder Eierkuchen in UK kochen will. Fleisch sieht sowieso überall irgendwie komisch aus, weswegen ich mich gar nicht erst an Wiener Schnitzeln probiere. Umgedreht hatten aber bei mir schon Franzosen Mühe, Crêpe zu backen und Italiener Pizza.

    • 😀

      Eines der Urlaubshighlights unserer Familie ist der Versuch meines Paps, in Tschechien Hefe zu kaufen. Mangels Wörterbuches haben wir es im Laden nicht gefunden, also ist er in eine Bäckerei marschiert und hat per Pantomime das Aufgehen eines Hefeteiges simuliert 😀 Er hat die Hefe übrigens bekommen 😉

  2. Tanni schreibt:

    Rouladen *sabber* sind ja mein Leibgericht und ich habe bei Safeways gesagt: I need beef, slim and long to roll it up and fill it, it’s very popular in france, und der Metzger dort zeigte mir ein Riesenstück Fleisch, ob das recht wäre und schnitt was langes, dünnes ab und fertig. Aber manchmal sind Amis einfach nur Gourmet-Ignoranten tz tz tz….. ich sag ja auch als „du Burgerfresser“ statt dem üblichen f*** y** 😀

    • Ja, genau das hab ich ihm auch vorgeschlagen, konnte (oder wollte) er nicht. Und ich war echt ziemlich germanisch-direkt. Der ist dann auch ganz schnell in sein Kabuff geflüchtet, nachdem ich mich zum deli-counter getrollt hatte.

  3. Tanni schreibt:

    oh dann wars wohl eine echter Miesepeter mit null Bock eh? …manager please *mit-deutscher-strenge-droh* better luck next time!!! (ps. in SF verstehn alle nur Bahnhof, weil alles Mexikaner und wenn du kein spanisch kannst kriegste net mal ne Kartoffel)

  4. Simone schreibt:

    Hi!
    Echt witzig! Hatte in etwa das gleiche Erlebnis in Houston TX, als ich meine überaus liebenswerte Nachbarin (70+) zum Essen eingeladen habe und sie sich Rouladen gewünscht hat. Also ab in den grocery und dann intensiv mit dem – sehr bemühten – Metzger palavert. Und herausgefunden, dass dieses “ mit der Faser“ schneiden fachmännisch milanese cut heißt.

    Oh ja, ich kann es mir lebhaft vorstellen.

    Liebe Grüsse nach Provdence!
    Simone
    …die wieder in Deutschland ist und manchmal gern wieder im guten alten Süden wäre.

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