Schweinegrippe reloaded

Am Freitag war ich seit Ewigkeiten mal wieder im Kino. Ich wollte Soderberghs Contagion sehen, ein Film über ein Virus und den Kampf gegen die drohende Pandemie. Gleich vorweg, ich fand ihn toll. Und ich schließe mich allen Kritikern an, die vor allem die ausnahmsweise mal richtig geratene Wissenschaft loben. Allerdings könnte das den Film für einige auch langweilig machen: keine spektakulären Zombies, keine heroischen Präsidenten, die die Welt im Alleingang retten, keine böse Verschwörung der Pharmalobby, keine verrückten Wissenschaftler, die die Weltherrschaft anstreben. Das gesamte Szenario ist höchst realistisch und damit meiner Meinung nach spannender als jeder ausgedachte Plot. (Mein Begleiter bemängelte allerdings das fehlende Künstlerische. Art-House-Filmfreunde werden wohl kaum auf ihre Kosten kommen.)

Im Film breitet sich ein höchst ansteckendes Virus dank internationalem Flugverkehr weltweit aus und sorgt allmählich für den Zusammenbruch der Gesellschaft. Trotz der hochkarätigen Besetzung gibt es außer MEV-1 (so der Name des Virus) eigentlich keine wirkliche Hauptrolle. Daher bleibt uns auch das übliche Hollywood-Sentimental-Gedudel (getrennte, aber sich eigentlich liebende Eltern kommen sich über den Todeskampf der Kinder wieder näher, bla bla oder so) erspart und die unweigerlichen Todesfälle werden nüchtern und als absolut folgerichtig gezeigt.

Die Besetzung der Wissenschaftler und Offiziellen war wohl der politischen Korrektheit geschuldet ;-): ein Schwarzer als Leiter des Seuchenschutzzentrums und gleich drei Frauen in Schlüsselrollen (als Beauftragte der WHO und als Wissenschaftler). 🙂 Überzeugend unsympatisch dagegen war Jude Law als widerlich-schmieriger Scharlatan.

Angenehmerweise verzichtet der Film auf (unnötige) Schockeffekte (ausgenommen ein, zwei sehr kurze Szenen) und vertraut lieber auf subtile Botschaften. In der Eröffnungssequenz folgt die Kamera den ersten Infizierten und lenkt den Blick auf von ihnen berührte Haltestangen, Telefone, Gläser, Türgriffe, Kreditkarten, usw. Wer in diesem Moment die Sessellehnen im Kino unbefangen anfassen kann, vertraut wohl auch auf Zuckerkügelchen bei Influenza.

Zusammenfassend kann ich den Film nur empfehlen. Er ist ein spannender Was-Wäre-Wenn Thriller, der auf dramatische Übertreibungen zugusten der Realität verzichtet. Für Mysophobiker ist er allerdings ungeeignet.

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Eine Antwort zu Schweinegrippe reloaded

  1. sunny schreibt:

    Filmkritik:
    Klingt wirklich interessant, auch wenn ich „12 monkeys“ liebgewonnen habe.
    Denn Namen kann ich mir mal vormerken. Vielleicht findet sich ja mal die Gelegenheit, diesen Film anzuschauen. Ansonsten kämpfe ich immernoch mit der Technik und die Videotelefoniererei kann ich wohl komplett neu aufsetzen. Zumindestens habe ich ertsmal ein funktionierendes System. Ausdauer muß man mitbringen, das Wochenende hacken und einen funktionierenden Internetanschluß haben, sonst geht/will die Technik heute nicht mehr.
    Was solls, den letzten Schritt werde ich auch noch schaffen!

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