Rattus bibliophilicus

Ich lese gerade Umberto Eco’s „Die Kunst des Bücherlesens“. Ich bin noch nicht über das erste Kapitel hinaus, daher kann ich noch kein abschließendes Urteil abgeben. Mir ist nur was aufgefallen, was ich ziemlich interessant finde. Eco berichtet über Bücher, die mit minderwertigen Papier gedruckt sind und wie diese für die Nachwelt verloren gehen, falls sie nicht irgendwie bewahrt werden. Er ist dabei recht pessimistisch.

„Mit modernen elektronischen Techniken kann man Texte per Scanner erfassen, im Computer speichern und sich die gewünschten Seiten ausdrucken. […] In jedem Fall sind diese Techniken nur für Forscher geeignet, nicht für den gewöhnlichen neugierigen Leser. Soviel man weiß, gibt es heute noch keine Möglichkeit, alle […] gesammelten Bücher der Neuzeit ohne Verlust zu bewahren […].“

Das schrieb er 2009 und ich frage mich, ob er sich gefreut hat, als er begriff, daß ihn der Fortschritt widerlegt hat. Witzigerweise bewies er prophetischen Scharfsinn, als es um ein anderes gedrucktes Erzeugnis ging.

„Vielleicht brauchen wir bald auch keine Fahrpläne mehr zu drucken, die so schwer zu lesen sind, sondern können uns am Zeitungskiosk kleine elektronische Geräte kaufen, in die man einfach zwei Ortsnamen eintippt, um auf einen Blick alle Verbindungen zu sehen, die es für die gewünschte Strecke gibt.“

Nun ja, Smartphones gibt es nicht am Kiosk zu kaufen, aber Ortsnamen eintippen und Verbindungen suchen funktioniert damit hervorragend.

Es gibt in diesem Kapitel einen Absatz, der von antiquarischen Büchern und der Jagd nach diesen handelt. Eco beschreibt die morbide Schönheit von Stockflecken, Wurmlöchern, Zensuren, Anmerkungen, Signaturen; all jene Dinge, die von der Lebensgeschichte eines Buches zeugen. Der gesamte Abschnitt hat mich sehr an ein anderes Buch erinnert, welches auch eine Hommage an das Lesen und eine Liebeserklärung an literarische Erzeugnisse jeglicher Art ist. Allerdings hat dieses einen entscheidenden Vorteil gegenüber Eco’s Text. Es kommen Dinosaurier und die charmantesten schrecklichen Ungeheuer aller Zeiten drin vor.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Kultur abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Rattus bibliophilicus

  1. Inch schreibt:

    Und ich dachte immer, Wurmlöcher gibt es nur bei Star Trek…

  2. Aha, noch ein Geek. Ich denke bei Wurmlöchern auch zuerst dann die großen 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s