Strassenverkehr

Bis jetzt beschränken sich meine Erfahrungen zwar nur auf ein paar Städte (Providence, San Francisco, Boston, New York, Salt Lake City) und das hauptsächlich als Fußgänger, aber im Hinblick auf eventuelle Besucher aus Deutschland (hallo Papi!) kann ein wenig Information bestimmt nicht schaden*.

Also, los geht’s:

Die schlimmsten Autofahrer habe ich in Boston (und teilweise New York) erlebt. Drängelnd, aggressiv, mürrisch – also ganz wie der durchschnittliche Teutone. Da war keinerlei Umstellung nötig; die beste Strategie war, anzunehmen, daß jeder Autofahrer mörderische Absichten hat und sich über die (wenigen) Ausnahmen freuen.

In den anderen drei Städten dagegen war die Regel: Fußgänger haben Vorrang vor Autos. Egal, ob der Fußgänger an einer roten Ampel steht, zwischen zwei geparkten Autos vorkommt oder irgendwo am Straßenrand steht; die Autos werden langsamer, halten oft sogar und winken einen über die Straße. Besonders bizarr fand ich das in Salt Lake City. Die Stadt hat mit etwa 40 m außergewöhnlich breite Straßen (der Gründer der Stadt, Brigham Young, legte fest, daß ein Planwagen gezogen von vier Ochsen problemlos umkehren können müsse).  Da steht man also am Rand dieser breiten Straße und will das einzige Auto weit und breit vorbeilassen; und dann wird dieses plötzlich langsamer und „nötigt“ einen, vor ihm über die Straße zu gehen. Viele Autofahrer in Deutschland hätten eher noch schnell Gas gegeben, vor allem, wo doch der Fußgänger keine 10 m von der Fußgängerampel entfernt ist. Das Dumme ist, man gewöhnt sich ausgesprochen schnell daran, daß die Autos auf jeden Fall anhalten, was dann gefährlich werden kann, wenn man ins benachtbarte Boston fährt (siehe oben).

Fußgängerampeln werden behandelt wie in Frankreich oder Spanien (eigentlich wie überall in Europa außer in Deutschland). Sind sie rot, heißt das: Pass auf, wenn du über die Straße gehst, es könnte ein Auto kommen. Sind sie grün, kann man auf jeden Fall gehen. Weiterhin schalten die meisten Ampeln eh nur auf Verlangen (Knöpfchen drücken) um. Am Anfang hab ich noch brav gewartet, bis grün ist; mittlerweile mach ich’s wie alle anderen und warte nur bis frei ist. Daraus erklärt sich auch, daß man Amerikaner in Deutschland erstmal nicht alleine auf den Verkehr loslassen sollte, da sie garantiert an der ersten Ampel fast überfahren werden  :-).

Soviel zum Fußgängerdasein, jetzt zum Autofahren. Im Gegensatz zu Deutschland, wo die Straße das Schlachtfeld und das Auto der Panzer ist, nehmen die Amis den §1 (1) der StVO sehr ernst: „Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.“ Selten habe ich es erlebt, daß gehupt wird und auch dichtes Auffahren, Lichthupe sowie rüde Gesten hinterm Steuer habe ich noch nicht beobachtet. Sogar der „beste Fahrer auf der ganzen Welt“ (auf den Titel erheben zwei mir bekannte Herren Anspruch 😉 ) tut also gut daran, sein deutsches Fahrverhalten nochmal zu überdenken, wenn er hier hinterm Steuer sitzt. In einem Land, wo Waffenbesitz als Grundrecht angesehen wird, möchte man sich lieber nicht mit seinem Vordermann anlegen.

*Ich will aber keinesfalls behaupten, daß meine Beobachtungen für ganz Amerika gelten. Die USA sind ein großes Land und mit Verallgemeinerungen und Klischees kommt man da nicht weit. Also alles nicht ganz wörtlich nehmen (take with a grain of salt, würde der Ami sagen).

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Eine Antwort zu Strassenverkehr

  1. Kralle schreibt:

    In meiner welt leben auch mehr leute die glauben zu wissen wie es geht als die jenen, welche es wirklich wissen.

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