Ich brauche neue Jeans

Meine letzte gute Jeans ist in Salt Lake City geblieben aufgrund unüberbrückbarer Löcher. Also bin ich letztes Wochenende nach Boston gefahren, um mir neue Jeans zu kaufen.

Ich verrate es gleich, gekauft habe ich viel, aber ’ne neue Jeans hab ich immer noch nicht. Aber toll war’s! Am Samstag abend erst in einem kleinen Club tanzen (da war es so voll, daß mein Bedarf an körperlicher Nähe erstmal wieder gedeckt ist) und danach noch auf eine kleine Party. Am nächsten Morgen schön frühstücken (Smoothies, yammie!) und dann ab in die Stadt. Gefunden habe ich ein super bequemes Shirt, ein Paar warme Strumpfhosen und ein Paar Schuhe. Und bevor jetzt alle, die mich kennen, mit den Augen rollen: mein Schuharsenal beschränkt sich im Moment auf 1 Paar Gummistiefel, 1 Paar Langschaftstiefel, 1 Paar Stiefelletten und 1 Paar Halbschuhe. Da alle außer die Gummistiefel hohe Hacken haben, hab ich mir flache Boots geleistet (von 60 auf 13 Dollar reduziert). Die werden aller Voraussicht nach den Sommer sowieso nicht überleben…

Am Nachmittag dann noch in der Show der wunderbaren Dina Martina gewesen (auf der Bühne Entertainerin und im normalen Leben ein Mann). Das Publikum bestand zu 80% aus den attraktivsten Männern, die ich bis jetzt hier gesehen habe. Ein absolutes Schnuckelchen saß direkt vor mir, neben seinem Freund. Naja, anschauen kostet ja nix, nicht wahr Mädels 😉

Den Abend haben wir dann ganz dekadent ausklingen lassen – mit Sekt und einem halben Dutzend Austern. Leider hat mich der Sekt so schwipsig gemacht, daß ich mich auf dem Heimweg in Providence verlaufen habe. Dafür war ich zuhause dann wieder nüchtern. Auf dem Bahnsteig in Boston habe ich auch noch einen Strauß dunkelroter Rosen gefunden. Wunderschöne, große Blüten, die sogar wunderbar duften. Die lagen einfach so auf dem Mülleimer und mich würde schon interessieren, welches Drama sich dahinter verbirgt. Jetzt stehen sie bei mir in der Vase und erfreuen mich 🙂 Immer noch besser als der alte betrunkene Mann, der mich in der U-Bahn fast angespuckt hat, als er mir Happy Valentines Day gewünscht hat.

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4 Antworten zu Ich brauche neue Jeans

  1. Kralle schreibt:

    In einem kleinen französischem Dorf an der Mittelmeerküste lebte vor 55 Jahren ein italienischer Fischer. Dessen Frau reiste eines Tages nach Paris um ihrer Schwester wiedereinmal ein paar Päckchen gesalzener Fische zu bringen, die diese dann an verliebte Pärchen unter dem Eiffelturm verkaufen sollte. Aber die Geschäfte liefen schlecht. Sie liefen so schlecht, dass sie ihrem Schwager in einem Brief mitteilte, daß sie nicht länger bereit ist sich mittem im Februar in die kalte Stadt Paris zu stellen und Fisch zu verkaufen – und stieg aus dem Geschäft aus. Der Fischer war darüber so erbost, dass er wütend seine Schwägerin verstieß und mit ihr „rein gar nichts mehr“ zu tun haben wollte. Darüber war nun wieder seine Frau so erbost, dass sie ihn heimlich des Nachts verließ und zu ihrer Schwester zog. Nun war der Fischer über die Entwicklung aber so unglücklich, daß er vor Kummer weder ein noch aus wußte und sich mehr dem französischem Wein hingab, als seiner Arbeit als Fischer. Den meisten Menschen in seiner Umgebung fiel das gar nicht auf. Fischer gab es ja genug zu dieser Zeit in Südfrankreich. Er trank immer weiter und als er irgendwann feststellte, daß sein Haus und Hof darniederlagen, reif zur Zwangsversteigerung, sein Boot halb verrottet und abgesoffen, dann abgetakelt und verschrottet wurde war es zu spät. Nun da er aber beschlossen hatte sein Leben wieder in den Griff zu bekommen, das Fischen für ihn aber unmöglich geworden war mußte er sich etwas Neues einfallen lassen. Als er wieder einmal durch das Dorf lief begegnete ihm ein anderer, ebenso ärmlicher Mann. Man kam ins Gespräch und man unterhielt sich lange und noch viel länger. Die Dunkelheit brach über sie herein und die beiden redeten und redeten. Der andere Mann war von hagerer Gestalt, ca 50 Jahre alt und hörte auf den Namen Louie. Er war Blumenhändler und er konnte es ahnen, die Geschäfte liefen ebenso schlecht, wie die des Fischers. Als schon fast die Sonne wieder hinter den Bäumen hervor trat dämmerte es. Zweimal in diesem Moment. Die Dämmerung am Himmel bemerkten die Beiden nicht. (Drei Bänke weiter saß ein verliebtes Pärchen – die könnten den Sonnenaufgang vielleicht bemerkt haben, aber das tut hier nichts zur Sache!) Viel intensiver war ihnen ihre Dämmerung. Sie mussten ihre Geschäfte zusammenlegen!
    Wie könnte man es schaffen? Ein letzter Blick auf das neben ihnen turtelnde Paar und ihnen war alles so leicht. Sie würden einen Tag ausrufen… Ein Tag an dem sich liebende Menschen Blumen schenken mussten. So gedachten sie ihr Geschäft anzukurbeln und man setzte es in die Tat um. Man nannte nun den 12.Mai den Rosentag und – nichts geschah. Man versuchte den 14. September, den Nelkentag. Kein Erfolg. So versuchten sie an verschiedensten Tagen mit den verschiedensten Namen – doch nicht schien zu klappen, bis sie an einem 14.2. resignierend beschlossen, man könne den Tag genausogut auch nach dem italienischstämmigen französischem Fischer namens Valentin benennen und wieder Fisch verkaufen, als ein gut gekleideter (möglicherweise visionär veranlagter) Wirtschaftsberater den Blumenladen betrat. Sofort sah er ein wegweisendes Modell vor sich. Auch wußte er sofort, daß ein kleiner südfranzösischer Blumenladen dem Potential bremsend im Weg stehen würde.
    So verhieß er ihnen folgenden Weg.
    Sie sollten diesen Tag als Franchisegeber an alle Blumen- , Schokoladen- und Schmuckläden verkaufen.
    Und tatsächlich rissen sich vormals normale Läden um das Franchise. Immer weiter verbreitete sich der Tag, den die beiden nun tatsächlich nach dem italienischstämmigen französischem Fischer namens Valentin benannten. So war nun also der Valentinstag geboren und nahm seinen unabänderlichen Verlauf, der den meisten mehr oder weniger vertraut ist.
    (Dem Wirtschaftsberater war noch eine tolle Idee gekommen – man behauptete einfach sich auf einen Märtyrergedenktag zu berufen. Das machte wohl einen weniger kommerzorientierte Eindruck!)

    Der Fischer, der Blumenhändler und der Wirtschaftsberater hatten ausgesorgt.
    Nun konnte sich der Fischer alles leisten, was er konnte. Er war ein reicher Mann. Villa in Saint Tropez, Sportwagen, Yacht oder ausgedehnte Reisen durch alle Kontinente. Von Jahr zu Jahr entwickelte sich sein Tag immer weiter, wurde immer erfolgreicher, überholte sich sogar beinahe selbst, als sogar andere Wirtschaftszweige sich anschlossen. Manchmal hatte der Fischer sogar ein schlechtes Gewissen, wenn zum Beispiel Cremè unter dem Logo des Tages der Verliebten verkauft wurde. (Kennen sie auch die Müdigkeit unter ihrem Augen, die ihnen den Tag mit ihrer Liebsten stört? Das muss nicht sein! Dagegen hilft Poposinth. Die Salbe nicht nur gegen Arschjucken!)
    Und dennoch bemerkte er, wie ihm etwas fehlte. Er war kein dummer Mann. Er wußte sehr bald, was das war. Er vermisste seine geliebte Frau, die er offensichtlich so verärgert hatte, daß es sein Herz immernoch zu brechen drohte. Und so machte er sich auf die Suche. Er fuhr nach Paris, doch er konnte sie nicht finden. Er suchte sie im ganzen Land, ja in ganz Europa. Er beauftragte Detektive, schaltete Anzeigen in Zeitungen – nichts!
    Es war erst letztes Jahr, als er von einem Beamten gegen eine – na ich sag mal – Gebühr erfuhr, daß sie schon vor langer Zeit mit ihrer Schwester nach Amerika gezogen war. Boston einer Küstenstadt im Osten der Vereinigten Staaten. Noch als er schon im Flugzeug saß hatte er keine Idee wie und wo – doch das war egal. Es würde ihm schon etwas einfallen!
    Und das tat es. Er schaltete einen Aufruf. Es kam gegen Mittag auf allen Fernsehkanälen, in allen Zeitungen und in jedem Radiosender. Es lief in allen Bundestaaten – außer Hawaii und Alaska – und der Aufruf sie möge in doch bitte am nächsten Morgen an einem U-Bahnsteig in Boston treffen, wenn sie ihn noch liebte und ihm verzeihen könne. Die landesweiten Medien zu mieten, die Jahrelange Suche und dieserlei und jenerlei Kosten ließen von dem Vermögen nichts mehr übrig. Von seinem letzten Geld kaufte er einen Strauß Rosen und eine Flasche Dom Pérignon.
    So wartete er vom frühen Morgen bis in den Abend. Viele Leute kamen und genauso viele Leute gingen. Viele kamen um weiterzureisen. Einige kamen um jemanden zu holen. Keiner kam ihn zu holen! Viele wollten nur den Mann sehen, dessen rührigen Aufruf sie im Fernsehen sahen und gingen enttäuscht, sobald es ihnen zu langweilig geworden waren.
    Irgendwann abends hatte er ein Paar gesehen, die sich in die Arme fielen, sich küssten und sich einen „Happy valetines day“ wünschten und eng umschlungen davon liefen. Sein Tag – es war sein Tag.
    Als daraufhin die Kälte in sein Herz fuhr – sie war auch nicht gekommen! – leerte er die Flasche Wein, warf den Strauß Rosen achtlos in den Müll, spuckte einer fremden Rothaarigen fast ins Gesicht, als er ihr „Happy Valentines Day“ entgegen warf und lief tieftraurig durch die kalte Bostoner Nacht. Er lief und die Bilder zogen durch seinen Kopf. Er sah sich allein auf einer Parkbank liegend. Kalt und starr. Er sah das winterliche Boston -es war das letzte was er sah. Valentin war einmal – es war vorbei – an seinem Tag!

    Ende

  2. Kralle schreibt:

    So oder so ähnlich könnte es doch gewesen sein?! *grins*

  3. sabine schreibt:

    Wow, du solltest ein Blog schreiben 😉

    Koennte fast so gewesen sein, ausser dass die Rothaarige mittlerweile blond ist…

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