Sehr geehrtes Wissenschaftsressort…

…von spiegel-online. Es kann doch nicht so schwer sein, einen Abstract zu lesen und korrekt zu übersetzen. Es ist totaler Quatsch, zu schreiben: „Die Achillessehne, so scheint es, war bei den Urmenschen länger als bei uns. “ Wo lesen Sie das bitte? Mal abgesehen davon, daß Sehnen nur in den seltesten Fällen fossil überliefert sind, steht in dem Artikel von Raichlen et al.:

„Neandertals had relatively longer calcaneal tubers than modern humans, which would have increased their energy costs of running.“

Neanderthaler hatten also einen relativ längeren Fersenbeinhöcker als moderne Menschen. Damit ist ein höherer Energieverbrauch beim Rennen verbunden. Warum?

„Recent research suggests that running economy (the energy cost of running at a given speed) is strongly related to the length of the Achilles tendon moment arm. „

Der Energieverbrauch für das Laufen bei einer bestimmten Geschwindigkeit ist stark mit der Länge des Hebelarms der Achillessehne korreliert (falls jemand wissen will warum das so ist, kann ich gerne die Erklärung nachliefern).

So steht es also im Artikel (in der Zusammenfassung). Und was macht der spiegel draus?

„Dabei konnten sie [die Forscher] zeigen, dass eine kurze Achillessehne eine ungemein praktische Sache ist. Sie ermöglicht nämlich nach Ansicht der Forscher eine größere Speicherung und Freisetzung von elastischer Dehnungsenergie.“

Ach ja, und deshalb haben Kängurus so unglaublich lange Sehnen in den Hinterbeinen? Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Je länger die Sehne, umso mehr elastische Energie kann gespeichert werden. Welche Qualifikationen braucht man eigentlich, um als Wissenschaftsjournalist zu arbeiten? Kenntnisse der englischen Sprache scheinen nicht dabei zu sein…

Nachtrag: Es scheint noch schlimmer zu sein. wissenschaft-online bekommt es auch nicht hin.

 

noch ein Nachtrag: Während wissenschaft-online immerhin in kürzester Zeit reagiert und den Artikel korrigiert hat, steht er bei spiegel-online immer noch so falsch da wie vorher.

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