Amerikaner sind anders – Teil I

Was die Eßkultur angeht, kann man hier alles vergessen, was man jemals darüber gelernt hat.
Mit vollem Mund reden? – Erzeugt einen authentischen Akzent.
Hände an den Hosen abwischen? – Aber klar doch, vor allem wenn man gerade Broiler isst.
Erst den anderen geben, bevor man sich selber nimmt? – Ist was für elitäre Europäer.
Warten, bis der Gastgeber anfängt zu essen? – Warum, ich hab doch Hunger!
In der Vorlesung / im Seminar / in der Schulung essen und trinken? – Wenn ich doch aber Hunger habe!
Schlingen, Reinwürgen, Schmatzen? – Macht doch jeder.

Essen ist hier sowieso eine Nebenbei-Beschäftigung. Beim Laufen, beim Fernsehschauen, beim Autofahren, bei Veranstaltungen – ständig sieht man kauende Backen. Wie sehr ich selber auf’s Essen konzentriert bin, merke ich immer dann, wenn mich jemand dabei anspricht. Darauf bin ich nicht gefaßt und muß dann oft darum bitten, die Frage nochmal zu wiederholen. Auch wenn Deutschland die Eßkultur auch nicht gerade gepachtet hat; im Vergleich zu den USA sind wir die Kultivierten 😉

Was mir auch immer wieder auffällt:Es wundert mich überhaupt nicht, daß es hier soviele Probleme mit Übergewicht gibt und daß die meisten Ausländer erstmal zulegen. Neben der fehlenden Eßkultur und sind es vor allem drei Dinge:

1. Zucker: alles ist viel zu süß, Joghurt, Brot, Limonade, Schokolade, Eis, ect. Gleichzeitig gibt es fat free Yoghurt, fat free cream (Schlagsahne!), fat free cornflakes, fat free muesli, fat free irgendwas. Weil das aber nicht schmeckt, wird Zucker ohne Ende dazugegeben. Der Blutzuckerspiegel explodiert und nach ’ner Stunde hat man wieder Hunger. Ein Teufelskreis. Dazu kommt noch, daß viele nicht selber kochen, sondern immer auswärts essen. Womit wir bei Nummer 2 wären:

2. Portionsgrößen: von einer normalen Hauptspeise im Restaurant schaffe ich die Hälfte. Danach bin ich pappsatt. Also weit über ein normales Sättigungsgefühl hinaus satt. Gleiches gilt für alle Portionen zum Mitnehmen. Von den Bechern will ich gar nicht reden. Ein mittleres Getränk zum Mitnehmen enthält zwischen 0.35 und 0.5 l. Aber wer kauft schon Medium, wenn er für 50 cent Aufpreis das Doppelte bekommen kann. Und so wird zum Essen eben ein Liter Cola geschlürft. Das sind 114 g Zucker, soviel ist nichtmal in einer ganzen Obsttorte drin.

3. Bewegungsmangel: Als mich gestern jemand fragte, wie weit meine neue Wohnung vom Institut entfernt ist, hab ich gesagt: nicht weit, ca. 20 min. Entsetzt fragte sie mich, ob ich das jeden Tag laufen würde. Offensichtlich würde kein Amerikaner je auf die Idee kommen, zum Supermarkt oder zur Arbeit zu laufen, wenn die Entfernung größer als 5 Gehminuten ist.

Ich muß mal nachfragen, aber ich glaube, daß die meisten, die relativ schlank sind, entweder exessiv Sport treiben oder ständig Diät halten. Die wenigsten haben einen Stoffwechsel, der das abpuffern kann.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Kultur, seltsames, USA abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s