Thanksgiving

Ich bin wieder zurück aus Boston, wo ich ein wunderschönes Friendsgiving (= Thanksgiving mit Freunden) hatte. Es gab ganz traditionell einen riesengroßen Truthahn, Kartoffelpüree, Füllung (im Vogel und extra noch dazu), Wildreis, Soße, Mango-Chutney (anstatt Cranberry-Sauce), Kürbismuffins und Apfelkuchen (Pie) mit Vanilleeis. Gegessen wurde vor dem Kamin bis man nichts mehr reinstopfen konnte.
Traditionell ist es so, daß jeder was mitbringt, also bekamen wir den Auftrag, den Apfelkuchen zu machen. Das war ein ziemlicher Kraftakt. Wir hatten ein deutsches Rezept für Apfelkuchen amerikanische Art und ein amerikanisches. Das deutsche war irre kompliziert und komisch beschrieben und teilweise falsch, außerdem mußten wir alle ml und g Angaben in „Cups“ umrechnen. Ein Beispiel gefällig?
115 g weißer Zucker sind 1/2 cup aber
100 g brauner Zucker sind auch 1/2 cup
100 g Mehl sind 7/8 cup
Da wird man blöde dabei! Dann steht am Herd auch noch Fahrenheit statt Celsius.
Das amerikanische Rezept war etwas leichter, außer daß es in Englisch war und mein Rezeptenglisch bis jetzt noch nie gefordert wurde. Wir haben es aber hinbekommen und die Pies wurden sehr gelobt! Puh, Glück gehabt!
Thanksgiving ist übrigens nicht mit dem deutschen Erntedank zu vergleichen. Es ist das wichtigste Familienfest im Jahr noch vor Weihnachten (das ja nur von den Christen bzw. Christenstämmigen gefeiert wird). Scott von usaerklaert erklärt das hier und hier viel besser als ich. Alle fahren nach Hause zu ihren Familien, so daß ich am Mittwoch gegen 16 Uhr die letzte im Institut war. Ich habe auch sehr viele Einladungen bekommen, denn alleine an Thanksgiving zu sein, ist wie bei uns alleine Weihnachten zu feiern.

Der Freitag nach Thanksgiving ist traditionell ein Einkauftag und vormittags gibt es Riesenrabatte auf so ziemlich alles. Allerdings müßte man dazu zeitig genug aufstehen, was nach einem Fetsgelage alles andere als einfach ist. Das soll heißen, ich habe keine Schnäppchen gemacht, sondern ausgeschlafen. 🙂

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Kultur, unterwegs, USA abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Thanksgiving

  1. sunny schreibt:

    Hallo ihr/du Feierwütige(n).

    Ja, ja, ja – weltliches Fest der Pilgrimväter (Trennung von Kirche und Staat!) und ich weiß, kein Erntedankfest. Aber wie ist das mit einem Fest, welches säkularisiert wurde? den 4. Juli feiern doch auch alle, oder?
    Wenn ich mich recht entsinne, war der Geburtstags des Herrschers früher Feiertag und ohne Herrscher wird gemeinsam – ein Tag gefunden (sinn- und gemeinschaftsstiftend), wie zum Beispiel unser 3. Oktober! Wenn wir davon ausgehen, daß die Pilgrims eine etwas eigene Art des Glaubens und Lebens hatten ist es nicht verwunderlich, daß man an dieses Ereignis (Überleben) feiern bzw. erinnern möchte. Außerdem hat man sich befreit von den Einflüssen der europäischen Monarchie und der „Kirche“ und nicht zu vergessen, daß in England gerade Bürgerkrieg ist und Thomas Hobbes seinen Leviathan schreibt!

    Beste Grüße Sven

  2. sabine schreibt:

    Aber der 4. July ist doch weltlich? Ich versteh gerade nicht, auf was du hinaus willst?

  3. sunny schreibt:

    Eigentlich wollte ich damit beginnen:
    Die päpstliche Bulle Aeterni regis, die am 21. Juni 1481 von Papst Sixtus IV. ausgegeben wurde, bestätigte den Inhalt des Vertrages von Alcaçovas und somit den kastilischen Besitz der Kanarischen Inseln. Alle weiteren Erwerbungen in Afrika und östlich davon sollten Portugal zufallen.
    Aber das wird dann doch zu ausführlich! Nach der spanisch-portugisischen Kolonialentwicklung kommt England und ein paar andere noch hinzu und das ganze Vermischen wir noch mit ein etwas katholische Kirche, der Reformationsbewegung, der Reformation in Europa, dann im speziellen in England und schauen noch schnell die Pilgerväter oder Puritaner in England an. Wenn der kleine Ausflug vollendet ist, kommen wir dann in Richtung Feste, Feiern und Jahreswenden der Menschen im/um ca. 1600. Sind noch 21 Jahre Zeit bis zur Mayflower! Dann halt kurz:

    Thanks giving (k)ein sakrales Fest?

    Fest und Feier
    Ethnologische Literatur beschreibt das Fest als Sphäre der Inszenierung, der Fülle, der Emotionalität im Gegensatz zum Alltag als der Sphäre des Zufalls, des Mangels, der Routine [Vgl. Jan Assmann: Der zweidimensionale Mensch: Das Fest als Medium des kollektiven Gedächtnisses. In: Das Fest und das Heilige. Hg. von Jan Assmann. Gütersloh 1991, S.13-30. ]. Feste ordnen, schützen vor dem Chaos, bedingen Friedenspflicht, erfordern und erzeugen Rituale (Wiederholbarkeit, Strukturen, Ablauf, Kult), setzen Symbole, transportieren Werte, erzeugen emotionale „Aufladung“ und bringen Erlebnisse einer gesteigerten Körpererfahrung (Freude, Trauer, Sexualität, Rausch, Kampf, Lachen, Schmerzen, Weinen, Berühren, Trost, Glück …). Wichtig an Fest und Feier ist die Mahlgemeinschaft, das Ereignis der Fülle an Speisen und Getränken sowie des geordneten Verlaufs des Essens, Trinkens und Zuprostens. In Fest und Feier ist Freigabe des Exzesses in räumlicher und zeitlicher Begrenzung geregelt, der gezähmte Rausch, der beschränkte Lärm, die Ordnung der Spiele [Vgl. Dietrich Mühlberg: Fest und Rausch. Kulturhistorische Anmerkungen zu einem unerschöpflichen Thema. In: humanismus heute, Heft 2.]. In Kombination mit psychischer Entlastung, meist befördert durch geistige Getränke, darf man aus der Norm schlagen, werden Rollen getauscht, kann innere Versenkung stattfinden. Jedem Fest wohnt eine innere Dynamik sozialer Betätigung und Bestätigung inne, die Integration, Wert-, Zeit- und Sinnerfahrung stiftet und ausdrückt. Die Worte Festtag („festum“), Feier („feria“) sowie festlich und feierlich („festus“) kommen aus dem Lateinischen. Das Wort „fest“ hat dann im Althochdeutschen (9. Jahrhundert) den Sinn von hart, dicht, dauerhaft und kräftig. Als Substantiv bedeutet es im Mittelhochdeutschen (13. Jahrhundert) „Feier“, „Festtag“ und „fröhliche Veranstaltung“. „Feier“ kommt von „fira“ (ebenfalls althochdeutsch) und meint „Feiertag“, „Ruhe“ und „Fest“. Fest und Feier werden nahezu synonym gebraucht. „Festhalten“ hieß einmal so viel wie „fasten“. Damit ist der kulturelle Urgrund angedeutet und unterschieden von „Festival“, „Festivität“ und „Fete“, die zumindest fern von „Ruhe“ sind. Letztere Bezeichnungen sind sehr jung und an ihrer Quelle stehen höfische, später studentische Sitten (18. Jahrhundert). „Party“ ist ganz frisch.
    Mit diesen Worterklärungen ist aber verwiesen auf die historische Gebundenheit von
    Festen und Feiern an je zeitgenössische Arbeits- und Gesellungsformen und deren Sinngebungen. Diese wiederum sind solange eingeordnet in religiöse Deutungshegemonien bis säkulare Formen wie Erklärungen diese abzulösen beginnen. Säkularität wiederum ist gebunden vor allem an die Moderne mit ihren Märkten, Geldbeziehungen und Eigenverantwortlichkeiten der Menschen. Neuere Individualisierungen und die Mediendominanz haben die Loslösung aus geschlossenen Moralgemeinschaften weiter vorangebracht [Beispiele für diese Entwicklung finden sich in: Das Fest. Eine Kulturgeschichte von der Antike bis zur Gegenwart. Hg. von Uwe Schultz. München1988.].

    Festliche Anlässe
    Die allgemeinen Anlässe zu je speziellen Feierkulturen lassen sich unter fünf soziale Vorgänge rubrizieren: Erstens die Krisen- und Wendepunkte im individuellen Lebenslauf und deren festliche Verarbeitungsformen. Gemeint sind Geburt, Reifung (Initiation), Familiengründung, Tod (Beerdigung). Es bezeichnet das generative Moment jeder Festkultur, daß Menschen nur in der Lage sind, die beiden mittleren Vorgänge aktiv und bewußt zu feiern. So ergibt sich der Bedeutungszuwachs für Feste wie die der rite de passage aus dem Rückgang von Feiern, die dem Kreislauf der Natur folgen: Erwachen und Sterben im Jahreslauf und im bäuerlichen Arbeitsrhythmus, die vier Sonnenwenden (besonders Wintersonnenwende), das Frühjahr (Ende des Winters, Ende der Aussaat, Zeit des Reifens) und der Herbst (Ernte). Urbanität und Geschäftskalender verweisen diese Feste heute weitgehend an die Werbeindustrie und an Schlußverkäufe. Auch Volks- und Erntedankfeste sind nicht mehr unbedingt von natürlichen Abläufe abhängig. Mai- wie Oktoberfeste sind lediglich an den Monatsnamen gebunden wie das Sommerfest höchst allgemein an die Jahreszeit. Weiterhin sind die religiösen Höhepunkte in der mitteleuropäischen Kultur Ausdruck der engen Verknüpfung von individuellem und natürlichem Kalender mit kirchlichen Ritualen, die das Festliche zügeln, disziplinieren und christlichen Begründungen unterwerfen. Es handelt sich hierbei um Vergesellschaftungsfeiern mit einstmals dominierenden christlichen Sinngebungen. Dazu gehören Taufe, Konfirmation, Hochzeit, aber auch Ostern, Pfingsten, Weihnachten und überhaupt der Sonntag. Außerdem hat wahrscheinlich die teilweise Verselbständigung des Feierns weltlicher Höhepunkte im Jahreskalender und besonders im Staatsleben die Säkularität des Feierns insgesamt befördert und die Dominanz des kirchlichen Kalenders abgelöst. Mit der Bildung von Territorialstaaten und Nationen emanzipierten sich zunächst die Fürsten und dann auch untere Hoheitsträger – trotz enger Bindung von Thron und Altar – von biblischen Begründungen und gaben der staatlichen Gemeinschaft eigenen Sinn, wenn auch mit christlichem Vokabular. Es bildete sich ein eigener Kalender der staatlichen Weihe-, Erinnerungs- und Gedenkfeiern und deren Zelebrierung (teils mit kirchlicher Hilfe, bis heute: Bundestagseröffnung, 17. Juni, 20. Juli, 3. Oktober, Volkstrauertag, Gedenkfeiern usw.).

    Denn: In Verbindung mit der Unterhaltungs- und Medienindustrie und mit anderen Angeboten der Freizeitgesellschaft vollzieht sich eine rasante „Pluralisierung der Festkultur“ mit der Wirkung, daß die christlichen Feste „nicht mehr gesamtgesellschaftlich verankert“ sind. [In: Jahrbuch für Volkskunde, Würzburg 2000, S.97. – Der kritische Blick von Andreas Meier wird leider immer wieder durch den Eifer getrübt, mit dem er seinen Gegenstand und die Anbieter dieser Feiern zu diskreditieren versucht, und sei es durch fleißiges Setzen von distanzierenden Anund Ausführungszeichen.]. Eine Folge davon ist umgekehrt sogar die „‘Säkularisierung‘ der religiösen Feste“ [Karl-Fritz Daiber: Religiöse Feste. In: Religionen feiern. Feste und Feiertage religiöser Gemeinschaften in Deutschland. Hg. von REMID (Steffen Rink u. Martin Baumann), Marburg 1997, S.14f.], so Weihnachten als Familienfest
    (teilweise wie Thanksgiving in den USA) oder Ostern als Frühlingsfest.

    Na gut ich habe keine Quellen und Urkunden und die Beziehung zu den Indianern (Einbeziehung in den christlichen Glauben) ist schwierig. Nicht daß man am Ende eine Christianisierung Amerikas annehmen könnte.

    O.K. weltliches Fest- Zur Erinnerung an das Überleben der Christen in Amerika in schwierigen Zeiten – gut.

    Vielleicht habe ich mich aber auch nur ein bißchen geärgert!
    Liebe Grüße

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s